GoPro: -50% in drei Monaten, kommt heute mit den Zahlen eine Wende?

GoPro liefert heute nachbörslich Zahlen für das letzte Quartal – was können wir erwarten und welche frei zugänglichen Daten können wir für eine Analyse einsetzen? Ich komme in den letzten Wochen zu wenig zum Schreiben, aber die Aktie des Herstellers für Actioncams eignet sich grundsätzlich noch einmal hervorragend 1. zur Verdeutlichung warum der Anlagehorizont immer ein sehr wichtiger Bestandteil der persönlichen Strategie sein sollte und um 2. mit Werkzeugen aus meiner Trickkiste bei Konzernen mit ausschließlich Konsumprodukte, herauszufinden, wie der Laden gerade so läuft.

GoPro vor dem Turnaround?

GoPro vor dem Turnaround?

Die GoPro Aktie hat in USD mehr als 50% alleine in den letzte drei Monaten verloren und ist vom Höchststand gerade einmal noch ein Drittel Wert – und das obwohl für die beiden letzten Quartale solide Zahlen geliefert wurden.

Ich möchte an dieser Stelle nicht erneut aus das gesamt Zahlenwerk eingehen, das habe ich in der letzten GoPro Analyse bereits umfangreicher getan – heute beschränke ich mich schlicht darauf, worauf es ankommt: Werden die GoPro Erwartungen heute nachbörslich übertroffen oder nicht? Gerade in den letzten Wochen wurden Aktien mit schlechten Zahlen – subjektiv empfunden – noch mehr verprügelt als normalerweise, aber was ist schon normal. Heute verliert zum Beispiel Akamai an der Nasdaq 20%, weil sie nicht ganz so gut waren wie eben erwartet…

Warum verlor GoPro in den letzten Wochen so an Wert?

So etwas hat natürlich diverse Gründe – ein wesentlicher scheint jedoch zu sein, dass der Chipzulieferer Ambarella, der eben auch wesentliche Bauteile für GoPro liefert, einen verhalteneren Ausblick auf das Geschäft bis Jahresende formuliert hat. Schlussfolgerung war entsprechend, wenn der Zulieferer weniger verkauft als erwartetet, muss der Hersteller des Endproduktes ebenfalls weniger gute Geschäfts machen.

Außerdem scheint das erst in diesem Jahr neu auf den Markt gebrachte Produkt GoPro HERO4 Session – eine im Vergleich zu den Standardmodellen noch kleinere und handlichere Actioncam – von dem Kunden nicht so angenommen worden zu sein, wie GoPro sich das gewünscht hat. Und so war GoPro gezwungen eine schön formulierte Preisanpassung vorzunehmen, die nichts anderes bedeutet als: Zu dem Preis kaufen die Kunden das Teil nicht.

Wie kann ich selbst herausfinden, wie es bei GoPro läuft

Grundsätzlich beschäftigen sich Heerscharen von Analysten ständig mit dieser Frage und die folgenden Tipps uns Hinweise können nur Anhaltspunkte liefern die Chancen für eine Positionierung erhöhen – aber sicherlich nicht sämtliche Risiken ausschließen können.

Wichtig zu wissen ist in diesem Kontext, dass GoPro nach wie vor 50% des Umsatzes in des USA erwirtschaftet. Wichtig deshalb, weil schlechte Zahle in den USA in den letzten Wochen nicht zuletzt häufig einem sehr starke Dollar geschuldet waren – wenn ich dann als amerikanisches Unternehmen hauptsächlich Geschäfts außerhalb der USA mache bekomme ich eben weniger starke Dollars und mache weniger Umsatz respektive Gewinn. Die Währung dürfte für die Daten von GoPro heute Abend also schon einmal keinen wesentlichen Einfluss haben.

Was ist mit Ambarella, dem Zulieferer? Ich denke gar nichts. Zum einen hat Dialog Semiconducter gerade mit Apple als Kunden den Beweis geliefert, dass solche Kausalbeziehungen nicht funktionieren. Der Zulieferer für Apple hatte schlechte Zahlen geliefert und die Apple Aktie 3% mit nach unten gezogen – die vermeintliche Erklärung war die gleiche. Bei Ambarella kommt noch hinzu, dass die letzten Quartalsahlen ein Wachstum von 80% gegenüber dem Vorjahr gezeigt haben – das Wachstum war also enorm und ein gesenkter Ausblick kann verschiedene Ursachen haben. Vielleicht hat GoPro auch einfach nur gut verhandelt und angedroht, die Teile woanders fertigen zu lassen, wenn der Preis nicht sinkt. Wir merken uns: Kausale Zusammenhänge a la Zulieferer geht es schlecht, also muss es Kunden auch schlecht gehen mag zum Teil in der sehr eng verwobenen Autoindustrie funktionieren – in der Regel ist die Aussagekraft jedoch gering.

Weitere Hinweise zu GoPros Geschäften im letzten Quartal

 

Google Trends deutet an, das ein Interesse an GoPro Produkten nicht mehr so schnell wächst

Google Trends deutet an, das ein Interesse an GoPro Produkten nicht mehr so schnell wächst

Ich setze gerne Google Trends ein – ein Tool, das die relative Entwicklung von Suchanfragen zeigt und aus dem es Hinweise geben kann, wie sehr bestimmte Themen gerade im Trend sind oder eben nicht.

Hier deutet sich zumindest weltweit an, dass das Kundeninteresse nicht mehr so schnell wächst wie in der letzten Jahren. Also für heute Abend mehr oder weniger neutral.

Und wie läuft es beim Verkauf der GoPro Produkte? Hier zeigt die heutige Amazon.com Verkaufsstatistik, dass im Heimatmarkt nach wie vor GoPro den Markt auf beeindruckende Art und Weise dominiert – eher sogar beherrscht. Bei den Actioncams im Hauptmarkt USA sind acht der neun ersten Verkaufsplätze von GoPro belegt. Und die Kidizoom auf Rang 3 lasse ich als Konkurrenz nicht einmal gelten.

GoPro beherrscht gemäß den Amazon Verkaufscharts den Actioncam Markt in den USA

GoPro beherrscht gemäß den Amazon Verkaufscharts den Actioncam Markt in den USA

Der GoPro Vorstand hatte in den letzten Wochen auch schon einmal angedeutet, dass in den Kernmärkten der Marktanteil sogar noch gesteigert werden konnte – das deckt sich mit den Amazon Verkaufscharts.

Was ich jetzt mit GoPro tue

Ich habe GoPro leicht aufgestockt auf 5% in meinem Wikifolio. Warum nur 5%? Es ist der Ausblick der mir Sorgen machen könnte. Ich glaube, dass GoPro mit den oben genannten Daten heute das Zeug hat positiv zu überraschen. Der geplante Einstieg in den Milliardenmarkt der Drohnen im ersten Halbjahr kommenden Jahres ist für GoPro zu schaffen und wird wahrscheinlich funktionieren.

Aber zwei Faktoren können den Ausblick trüben.

1. Vielleicht wächst der Actioncam-Markt in Zukunft wirklich langsamer.

2. Während GoPro in den vom chinesischen Hersteller DJI dominierten Markt der Drohnen einsteigen möchte, scheint DJI auch GoPro zu attackieren. Mit der DJI Osmo kommt in diesem Tagen eine Kamera samt Bildstabilisator auf den Markt, die eine sehr ausgereifte Technik und Features für den Amateurfotografen bereithält, die bisher nur Profis vorbehalten waren. Hier kann sogar im Kerngeschäft DJI einige Kunden von GoPro abgraben.

Das mag für die heutigen Zahlen wahrscheinlich nicht relevant sein – sich in Zukunft aber erheblich für die weiteren Wachstumschancen von GoPro auswirken. Womit ich abschließend auf den wichtigen Anlagehorizont zu sprechen komme: Eine Aktie wie GoPro kann kurzfristig sehr sexy sein. Ein langfristiges Investment ist sie aber trotzdem nicht. Springt die Aktie heute nachbörslich ins Plus, ziehe ich meinen Stop-Loss ein wenig nach und lasse wahrscheinlich bis zum Weihnachtsgeschäft erst einmal laufen. Kommt sie nicht in die Nähe der 30,- USD bin ich möglicherweise morgen schon wieder draußen – und dann vielleicht ein für alle mal…

Ich bin gespannt, wie die Zahle heute ausfallen: Also: Film ab!

 

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