SFX Entertainment und Tomorrowland: Eat, sleep, earn, repeat?

Tomorrowland ist das moderne Woodstock für Neureiche. Seit mehr als einem Jahrzehnt gibt es im belgische Boom die beste Musikveranstaltung der Welt – den Preis der International Dance Music Awards gewann das EDM (Electronic Dance Music) Festival 2012 und 2013 gleich zwei Jahre in Folge. Bei der Mutterfirma SFX Entertainment und ihrem CEO Robert Sillerman geht es in diesen Tagen aber nicht um zur Musik synchronisiertes Feuerwerk und Mädchen mit Blumen in den Haaren, es geht ums Geschäft und zwar so richtig knackig – aber der Reihe nach…

Sillerman und SFX Entertainment – der größte Festival Konzern der Welt

Sillerman ist der klassische Radio und Fernsehmogul, der 80er Jahre. Im Jahr 2000, auf dem Gipfel der letzten Blase bei Medienaktien, verkaufte er sein Unternehmen für 4,4 Milliarden USD, was ihn zum Milliardär machte. 2005 war in der Forbes Liste der reichsten Menschen auf Platz 375 mit einem geschätzten Vermögen von 975 Millionen USD.

Mit dem Motto “machs noch einmal Robert” gründete Sillerman 2012 SFX Entertainment mit dem Ziel den weltgrößten EDM Konzern zu schmieden und brachte ihn zum Kurs von 13,00 USD direkt an die Börse. Der DJ Afrojack leutete dazu brav die Glocke an der Wall Street. Diesen Kurs sollte die Aktie bis heute nie wieder sehen.

Robert Sillerman ging mit SFX Entertainment auf Einkaufstour. Er beteiligte sich an diversen Festivals, Übernahm die Mehrheit des Zahlungsdienstleisters Paylogic und kaufte das Streamingportal Beatport, was erst kürzlich eine Partnerschaft mit Spotify bekannt gab. In diesem Zuge kaufte er 2013 auch zuerst 75% und später noch die restlichen 25% für insgesamt rund 130 Millionen USD von ID&T, dem Betreiber der Festivals Sensation, Mysteryland, Q-Dance und dem Filetstück: Tomorrowland.

Die Aktie kannte jedoch nur eine Richtung: Abwärts. Nicht nur, dass der Initialbewertung beim IPO von einer Milliarde kaum Wert gegenüberstand, Sillerman verstand es auch exzellent alle Planungen und Zahlen zu verfehlen und Investoren in Scharen zu vergraulen. Dabei hat Sillerman bis heute ein hochintelligentes Portfolio zusammengestellt, das die gesamte Wertschöpfung vom Ticketverkauf, Verwertung von Musik und Videos sowie dem Payment abdeckt und so mit einem einheitlichen System echte zusätzliche Synergien für alle Beteiligungen mit sich bringt.

Gleichzeitig ist insbesondere das Filetstück Tomorrowland sicherlich nicht weniger Wert geworden. Brauchte es 2013 noch eine endlose halbe Stunde die 180.000 Tickets zu verkaufen, wurden 2014 bereits 360.000 Tickets in einer knappen Stunde verkauft und 2015 die zur Verfügung stehenden 180.00 Tickets in nicht einmal zehn Minuten. Die hochprofessionellen Zusammenfassungen der Festivals (Aftermovies) gehören zu den meistgesehenen Videos auf YouTube. Alleine das Aftermovie von  2014 hat mittlerweile über 40 Millionen Views.

Auch 2015 machte Robert Sillerman bei SFX Entertainment, was er wollte – nur noch aggressiver

Im März diesen Jahres, die Aktie stand knapp über 3 USD, erklärte Sillerman er wolle die Firma vollständig für 4,75 USD je Aktie übernehmen. Der Kurs Sprang sofort über 5 USD. Sillerman erhöhte den Betrag später noch auf 5,25 USD je Aktie. In den Monaten danach kamen mehr und mehr Zweifel auf, ob Sillerman diese Transaktion mit Partnern überhaupt stemmen kann. Die Aktie bröselte wieder gen Süden. Die Go-Shop Periode im Juli (hierbei wird bei einer solchen Transaktion noch einmal eine Investmentbank beauftragt, einen Käufer zu finden, der einen höheren Preis zahlen könnte) brachte keinen zusätzlichen Bieter – oh Wunder, mit einem Harakiri-CEO Robert Sillerman, der 40% von SFX Entertainment hält wäre jede Übernahme ein unkalkulierbares Risiko. In den letzten beiden Wochen kommt noch eine Klage über 100 Millionen USD eines Gründungspartners hinzu, der von Sillerman in der frühen Phase unfair behandelt worden sein will.

SFX Entertainment & Tomorrowland Kursverlauf seit Börsengang

SFX Entertainment & Tomorrowland Kursverlauf seit Börsengang

Quo Vadis SFX Entertainment, quo vadis Tomorrowland

Heute liefert SFX Entertainment nachbörslich die wichtigen Zahlen für das 2. Quartal. Der Umsatz explodierte in den letzten Jahren durch die getätigten Zukäufe von 24,8 Millionen in 2012 auf 170,5 Millionen in 2013 und 354,4 Millionen in 2014. Dabei wurden in 2013 und 2014 hohe Verluste von jeweils über 100 Millionen USD geschrieben. Sillerman hält nach wie vor an seiner Story fest die Aktien für 5,25 USD übernehmen zu wollen, daher sei auch keine Telefonkonferenz zu den heutigen Zahlen mehr notwendig. Die Aktie geht heute vorher schon einmal kräftig auf Tauchstation und verliert in der Spitze etwa 25% – das scheint ihm entsprechend kein Mensch mehr zu glauben. Damit ist SFX unter 200 Millionen USD bewertet – nicht einmal mehr ein fünftel des Wertes zum Börsengang. Derzeit sind über 40 Hedgefonds und institutionelle Investoren bei SFX investiert, die zusammen noch einmal etwa 40 % kontrollieren – gleichzeitig meldet das WSJ, dass fast 14 Millionen Aktien derzeit leerverkauft sind, was über 25% der frei verfügbaren Anteile entspricht. Die Kursentwicklung ist daher eher ein Spielball des großen Geldes.

Was können wir daraus lernen?

Das beste Produkt hat wenig Wert, wenn die dazugehörige Firma von einem nicht berechenbaren Vorstand geführt wird. Das ist ein wesentlicher Grund, warum Warren Buffet sich das Management einer Firma mindestens genauso akribisch ansieht, wie die Firma selbst, wenn er einen Zukauf plant.
Robert Sillerman hat mit einem Anteil von 40% an SFX Entertainment viel zu verlieren, zumal er in den letzten Wochen seinen Anteil sogar noch einmal aufgestockt hat. Das Portfolio dürfte mittlerweile insgesamt einen höheren Wert haben als die derzeitige Börsenbewertung. Die Frage lässt sich als reduzieren auf: Bekommt Sillerman es geschissen die Karre noch einmal aus dem Dreck zu ziehen? Heute nachbörslich sind wir wieder eine wenig schlauer – zumal Sillerman auch nur noch wenig Zeit bleibt die finanziellen Möglichkeiten seiner angekündigten Transaktion nachzuweisen. Ich habe gerade ein paar Aktien in das Depot gelegt – dabei ist das alles andere als eine Empfehlung, der Kurs spricht eine deutliche Sprache und Sillerman kann sich verzockt haben, ein Totalverlust ist möglich. Der Gedanke an eat, sleep, earn, repeat klingt aber einfach zu sexy.

Am Ende bleibt nur die Frage welcher dieser beiden großen Philosophen am Ende Recht behält:

Axwell Ingrosso:
No more guessing, no regrets
And you came my way on a winner’s day
Shouted loudly “Come out and play!”
Can’t you tell? I got news for you
Sun is shining and so are you
And we’re gonna be alright
Dry your tears and hold tight

Oder Sillerman hat am Ende vielleicht eine Hidden Agenda und folgt damit auch David Guetta:

I say why does it feel so good?
So good to be bad
Getting what I want, boy
Why does that make you so mad?

Eat, sleep, earn, repeat!

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