Die Groupon Aktie – Erst geliebt, dann verprügelt und jetzt erwachsen?

Groupon ist eines der spannendsten neuen Unternehmen des letzten Jahrzehnts. Heute nach Börsenschluss ist der Tag der Wahrheit – es geht nicht um weniger als die Frage: Ist das Geschäftsmodell auf Dauer profitabel zu betreiben?

Groupon und die Groupon-Aktie: Die letzten Jahre im Schnelldurchlauf

Groupon ging erst im November 2008 mit einem Schnäppchenportal in Chicago an den Start. Das Geschäftsmodell ist simpel: Über die Webseite oder per App lassen sich Gutscheine für Waren oder Dienstleistungen mit hohen Rabatten kaufen (häufig 50% und mehr). Anbieter auf der Groupon Plattform sind in Regel lokale Unternehmen, die ihren Bekanntheitsgrad stark steigern oder gering frequentierte Zeiten besser mit Kunden auslasten wollen. Die Hoffnung dahinter: Den Schnäppchenkunden in einen Stammkunden verwandeln. Dafür erhält Groupon ein Anteil am Verkaufserlös der Gutscheine und erledigt über die Plattform auch die Abrechnung mit den Kunden. Groupon bietet seinen Firmenkunden also Zugang zu lokalen Kunden und die Kunden wiederum erhalten hohe Rabatte auf lokale Angebote, um diese auszuprobieren und/oder ihre Stadt neu zu entdecken.

Der Aufstieg und die Internationalisierung erfolgten in einem schier atemberaubenden Tempo. Bereits 2010, also im 2. Jahr nach Gründung hatte Groupon einen Umsatz von 312,9 Millionen USD gemacht. Der Umsatz war jedoch teuer erkauft, unterm Strich war in 2010 mit -420,1 Millionen USD bei Groupon der Verlust noch höher als der Umsatz. Das Wachstum ging jedoch in einem extrem hohen Tempo weiter in 2011 wurden bereits über 1,6 Milliarden Dollar umgesetzt. Das reichte für den Börsengang.

Groupon Wochenchart seit Börsengang 2011

Groupon Wochenchart seit Börsengang im November 2011

Groupon Umsatz in Millionen USD:
2008: 0,01
2009: 14,5
2010: 312,9
2011: 1.610,4
2012: 2.334,5
2013: 2.573,7
2014: >3.000

November 2011 – Groupon startet fulminant an der Börse

Obwohl der Börsengang von diversen Verwerfungen begleitet war, gab es einen Paukenschlag – im positiven Sinne. Groupon hatte da gerade erst ein Übernahmeangebot von Google für rund 6 Milliarden Dollar ausgeschlagen. War der Ausgabepreis der Groupon Aktien noch 20 USD, stieg der Kurs bereits am ersten Handelstag zwischenzeitlich um über 50% auf 31,14 USD, fiel im Tagesverlauf jedoch wieder deutlich zurück und schloss schließlich bei 26,11 USD – noch immer über 30% im Plus. Einen höheren Kurs sollte die Groupon-Aktie bis heute nicht mehr erreichen. Trotzdem war Groupon am ersten Tag rund mit rund 13 Milliarden USD bewertet, mehr als das Doppelte des Google Angebots. In den Jahren danach kannte die Aktie nur noch ein Richtung – südwärts. Das Geschäftsmodell ließ sich nicht in der bisherigen Geschwindigkeit weiter skalieren und das hohe Tempo in Vorbereitung des Börsengangs forderte seinen Tribut. Weltweit waren Heerscharen von unter hohem Zeitdruck ausgebildeten Verkäufern unterwegs – häufig mit einem großem variablen Gehaltsanteil. Viele kleine und mittelständische Unternehmer waren betriebswirtschaftlich den gut geschulten Groupon Verkäufern nicht gewachsen und kalkulierten ihre Angebote zu billig oder verkauften viel zu viele Gutscheine und waren dem folgenden Kundenansturm nicht gewachsen. Die Folge: Eine Menge unzufriedener Kunden und Unternehmen und noch mehr negative Presse, die die Verantwortung primär bei Groupon und der mangelhaften Beratung sah. In der Folgezeit kollabierte der Kurs bis auf 2,60 USD – ein Zehntel des ersten Handelstages. Der CEO und Gründer Andrew Mason musste im Februar 2013 schließlich gehen.

Groupon wird Erwachsen – aber kann Groupon Geld verdienen?

2012 und 2013 wuchs Groupon wieder langsamer, schaffte jedoch mittlerweile ein leicht positives EBIT (90,4 Millionen in 2012 und 67,0 Millionen in 2013). Viele Wettbewerber schieden aus dem Markt aus und auch Google, die zwischenzeitig den deutlich kleineren deutschen Anbieter DailyDeal gekauft hatten, zog sich wieder aus dem Markt zurück. Viele kleinere Anbieter, die sich weltweit im Zuge des Groupon Booms gegründet hatten, gingen insolvent oder gaben das Geschäft auf.

Groupon – The Return of the Jedi?

Heute werden nachbörslich die Zahlen für Q4 geliefert. Ich habe in meinem Wikifolio heute die Aktie deutlich aufgestockt. Welche Annahme steckt dahinter?

  • die Onlineumsätze sind in den letzten Jahren weltweit stark gestiegen und hatten im Q4 2014 einen neuen Rekord, Groupon dürfe als reine Online-Handelsplattform davon ebenfalls profitiert haben

    Onlineumsätze an Feiertagen in den USA - Groupons durchbruch?

    Onlineumsätze an Feiertagen in den USA – Groupons durchbruch?

  • Groupon hat bereits in den letzten zwei Jahren gezeigt, dass sich mit dem Geschäftsmodell durchaus Geld verdienen lässt. Verwunderlich ist das nicht – schließlich ist die erneute Aktivierung eines Bestandskunden deutlich günstiger als einen Kunden neu zu akquirieren. Heutige Umsätze können also mit wesentlich weniger Vertriebskosten realisiert werden.
  • rund 50% der Umsätze werden in den USA erwirtschaftet – hier waren die Konsumenten in Q4 besonders kauffreudig, an Thanksgiving, dem Black-Friday und dem Cyber-Monday wurden neue Rekorde im Onlinehandel gebrochen (siehe Grafik)
  • auch im Weihnachtsgeschäft sollte gutes Geld verdient worden sein, schließlich stehen die USA zum Ende 2014 hin wirtschaftlich so gut da wir lange nicht mehr.

Groupon ist profitabel und mit über drei Milliarden USD Umsatz und geringer Schuldenquote mit ca. 5 Milliarden USD bewertet – das scheint nicht zu teuer. Heute entscheidet sich, ob Groupon am Ende doch ein sexy Geschäftsmodell hat oder eben nicht.

 

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