Es geht los – wir kaufen Südzucker. Fallendes Messer oder unterbewertet?

Einen Blog mit einer Analyse, die bei mir zum Kauf geführt hat, zu starten, ist grundsätzliche nicht ohne Risiko.

Zum einen bringt es aktuell kaum Vorteile, weil die Leser insbesondere der ersten Veröffentlichungen in diesem Blog noch zahlenmäßig sehr sehr überschaubar sind, zum anderen wird man insbesondere in den ersten Monaten schlicht an der Performance der vorangegangen Einträge gemessen, was nachvollziehbar und auch gut ist. Gleichzeitig handelt es sich mit Südzucker um einen Wert, bei dem quasi die gesamte Analystenwelt in den letzten Wochen die Daumen gesenkt und sich mit immer niedrigeren Kurszielen unterboten haben. Auf diese  Analystenerwartungen sollte man als mündiger Anleger nicht viel geben – vom Sinn und Unsinn der Analystenerwartungen schreibe ich aber zu einem späteren Zeitpunkt noch ausführlicher. Ich habe aber heute die Seitenlinie wieder verlassen und einen Wert in das Depot genommen – und das ist Südzucker. Also zum Thema:

Was ist mit Südzucker los?

Südzucker ist seit Mitte 2008 von Knapp 10 Euro bis Anfang 2013 auf über 34 Euro  gestiegen und seitdem, von schlechten Nachrichten begleitet (Kartellstrafe, politische Unsicherheiten, fallende Zuckerpreise), wieder auf unter 15 Euro zurückgefallen. Das Unternehmen ist europäischer Marktführer für die Zuckerproduktion. In den letzten Jahren wurden weitere Diversifizierungen vorgenommen und die drei Bereiche Bioethanol, Frucht und Spezialzucker ausgebaut. Über 50% des Umsatzes und ziemlich genau zwei Drittel des Ergebnisses sind aber nach wie vor: Zucker.

Südzucker Aktie

Südzucker Aktie – Einstieg Blackrock und zwei mögliche Szenarien (zum Vergrößern klicken)

Warum Südzucker jetzt kaufen? Chancen und Risiken.

Chancen:

  • Südzucker ist größter Produzent in Europa und hat damit soliden Einfluss auf den Gesamtmarkt
  • Der derzeitigen Marktkapitalisierung von ca. 3 Milliarden Euro stehen 4,66 Milliarden !!! an Eigenkapital in der Bilanz gegenüber
  • selbst in dem “schlechten” Jahr 13/14 wurde ein operatives Ergebnis von 658 Millionen Euro erwirtschaftet und im kommenden “Horrorjahr” 14/15 soll es ein Ergebnis von 200 Millionen Euro werden – selbst im “Horrorjahr” kann also die derzeitige Dividende von 50 Cent locker gezahlt werden und entspricht >3% Rendite
  • die eigentlich sehr gute Verfassung wird auch aus einer Südzucker Anleihe ersichtlich – 400 Millionen Umfang und Laufzeit bis März 2018: derzeitige Rendite: 1,33% !!! – das schafft nicht einmal Apple, also weder die Zahlen noch die Ankündigung von Moodys, das Rating zu überprüfen, haben nennenswerten Einfluss auf den Kurs gehabt
  • derzeit haben ein Großteil der Analysten das schlechtestmögliche Rating vergeben – warum das bei den Chancen steht? Dazu später mehr. 😉
  • Blackrock hat die Überschreitung der 3 Prozent Schwelle am 15. April gemeldet – Blackrock ist weder dafür bekannt besonders kurzfristig zu investieren noch bei 3 Prozent mit dem Kaufen aufzuhören, kurz danach wurde am 17. April ein erstes positives Kaufsignal generiert (siehe Bild)
  • nach meiner Berechnung sind derzeit über 4% der Aktien durch Hedgefonds leerverkauft – das sind über 11% !!! des Freefloats. Das sollte grundsätzlich nicht überbewertet werden, schließlich haben auch Hedgefonds Zeit, aber früher oder später müssen diese Positionen wieder glattgestellt werden.
  • der Zuckerpreis scheint in den letzten Monaten einen Boden zu bilden
  • derzeitige Planung des Managements scheint derart konservativ, dass in den nächsten Jahren positive Überraschungen möglich sind

Risiken:

  • derzeit toben sich Hedgefonds an dem Wert aus – deren Einfluss ist schwer kalkulierbar
  • das Geschäft ist sehr stark vom Zuckerpreis anhängig, dieser kann – auch durch Spekulationen – weiter fallen
  • Südzucker gehört mehrheitlich einer Genossenschaft, es ist also fast ausgeschlossen, dass das Unternehmen einmal zum Übernahmekandidat wird
  • Zucker (z. B. durch die Zuckermarktverordnung) und auch Bioethanol (z. B. durch den Kraftstoff e10) sind auch von politischen Rahmenbedigungen abhängig, diese Rahmenbedingungen können sich derart verändern, dass sich kaum noch oder nur schwer Erträge erwirtschaften lassen
  • das Management hat die letzten Monate kommunikativ nicht optimal begleitet – die Qualität des Südzucker Managements ist daher schwer zu bewerten

Am Ende bleibt mit Südzucker ein Unternehmen, das

a) als europäischer Marktführer eines unverzichtbaren Rohstoffs gut positioniert ist

b) in den letzten 14 Jahren nur einmalig defizitär war (2007)

c) eine solide Bilanz besitzt

d) weit unter Buchwert notiert

e) auch in der zur Zeit schwierigen Phase hochprofitablel arbeitet

Gleichzeitig kann sich die Stimmung bei Anlegern und Analysten kaum noch weiter verschlechtern.

Mein Einstieg erfolgte zu 14,775 !!!

Ich erwarte in den kommenden Tagen das Szenario A (siehe Bild), das Tief vom 17. April unter den Kaufkursen von Blackrock wird (heute/morgen) noch einmal angetestet und die Aktie verlässt anschließend zügig den Abwärtstrend. Sollten weitere Stopps ausgelöst werden, sich der Zuckerpreis nachhaltig negativ entwickeln oder das Management mit weiteren negativen Nachrichten aufwarten, ist auch Szenario B und damit noch niedrigere Kurse möglich.

Was fällt Euch zu Südzucker ein? Kommentare und Feedback sind sehr willkommen.

 

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One thought on “Es geht los – wir kaufen Südzucker. Fallendes Messer oder unterbewertet?

  1. Dirk (Patentanwalt)

    Vielen Dank für den guten Artikel zur Südzucker. Obwohl unklar ist, was das Thema mit “Weltgeldtag” zu tun hat.

    Mir fehlt noch ein Hinweis aus die geänderten Rahmenbedingungen sowie der ZVO in der EÜ, die ein erhebliches Risiko auf zukünftige Renditeerwartungen bei Südzucker darstellen.

    Die Kartellstrafe sollte inzwischen abgearbeitet sein.

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